Das perfekte Kinderbuch?

Ich habe tausende Ideen für Kinderbücher und ich bin ein Perfektionist. Eine schlechte Kombination, wenn man das perfekte Kinderbuch schreiben will.

Ich schlingere wie ein Kapitän durch einen Sturm der Ideen. Erst arbeite konzentriert und komme gut voran, dann lese ich etwas über Storytelling, stelle meine Geschichte infrage und schreibe um und zeichne neu.

Nur um dann irgendwann festzustellen, dass vieles von dem Über-Bord-Geworfenen okay war. Dann baue ich es leicht verändert wieder ein, lese irgendwo etwas und das Spiel beginnt von vorne.

Der Perfektionist in mir

Warum? Nun zum einen, weil ich das Buchprojekt als Reise verstehe, auf der ich viel lernen will und deshalb auch viele Konzepte zum Storytelling ausprobiere.

Aber eben auch, weil ich ein Perfektionist bin.

Ich könnte stundenlang an meinen Bildern arbeiten, mit der Lupe Highlights setzen, die keinem mehr auffallen, einfach weil ich es sehr gut machen will.

Oder meine Geschichte viele – wirklich viele – Male überarbeiten, einstampfen und umschreiben. Das ist der Grund weswegen ich meinen ersten Bücherdraft in die Tonne getreten habe.

Und selbst als ich die Bilder überarbeitet hatte, war ich noch immer unzufrieden. Weil ich es nicht geschafft habe eine spannende Geschichte zu erzählen.

Doch dann – bin ich auf ein Video von Jake Parker gestoßen, und dort ging es darum, dass man Projekte lieber fertig machen soll, anstatt probieren sie perfekt zu machen.

Und jetzt fühle ich mich schlecht. Denn er hat ja recht. Irgendwie.

Mach deine Projekte fertig – in einem Jahr bist du eh viel besser

Projekte – grade die persönlichen – sollten dringend fertig gestellt werden und da ist es häufig besser nach dem Paretoprinzip zu verfahren. Hauptsache irgendwann fertig und das nächste Projekt angehen, als noch wochenlang (jahrelang) an den letzten 20 Prozent werkeln.

Man wird nämlich vor allem dann ein besserer Künstler, wenn man Dinge zu Ende bringt. Nicht weil man auf einem – rückblickend betrachtet – schlechterem Niveau perfekt sein wollte.

Was heißt das also? Soll ich meine Geschichte fertig machen, egal, wie unzufrieden ich mit dem Feinschliff bin? Und einfach darauf hoffen, dass ich irgendwann in fernen Jahren bessere Bücher schreibe.

Jemand plant ein Schmuckstück
Kann Perfektionismus schlecht sein?

Lass dir Zeit – und schreibe das perfekte Kinderbuch

Die Stärke des Perfektionismus liegt doch darin, wenn ich etwas fertig habe, ist es häufig etwas, auf das ich stolz sein kann. Es ist das beste Produkt, dass ich zu diesem Zeitpunkt liefern konnte.

Und wenn ich es frustriert abbreche, weil mir nichts gelingt, dann zwinge ich mich doch zumindest dazu nachzuforschen was gefehlt hat und probiere schleunigst besser zu werden.

Der Nachteil ist, dass es bei mir sehr lange dauert, bis ich etwas fertig habe. Oder ich viele Sachen unfertig liegen lasse.

Und entsprechend andersherum. Wer seine Sachen schnell und okay erledigt, hat viele Projekte auf die er verweisen kann, mit dem Nachteil, dass mitunter die Qualität leidet.

Was ist also besser für dein Projekt – dein Kinderbuch oder deine Illustration? Hauptsache fertig oder lieber perfekt?

Bevor ich meine Meinung dazu schreibe. Wie ist es denn im alltäglichen Leben? Welches Konzept ist besser? Wer ist erfolgreicher?

Fertig und okay

Da fallen mir immer die Studenten ein, die bis kurz vor Vorlesungsbeginn an einem Referat gesessen haben. Welches dann nach dem Semester eh von allen vergessen wurde und für die Endnoten minimal relevant war.

Hat sich da der Perfektionismus gelohnt? Oder wäre die Energie für etwas anderes besser aufgehoben gewesen?

Oder wenn sich Besuch ankündigt. Lieber ein wenig aufräumen und dann die gemeinsame Zeit genießen oder sich komplett verrückt machen. Grundreinigung inkl. Fensterputzen?

A propos verrückt machen. Ich kenne viele Weihnachten, die perfekt sein sollten und am Ende sind alle nur gestresst und keiner hat mehr Spaß, weil irgendwas nicht geklappt hat. Da wäre weniger Aufwand mehr gewesen.

Oder bei Projekten mit absoluter Deadline. Wo es keinen Spielraum gibt. Da ist Hauptsache fertig oft die einzige Option.

Bei all diesen Sachen ist es besser, wenn man sie fertig und ganz okay sind, als wenn man versucht, sie perfekt zu machen.

Langsam und perfekt

Doch es geht auch andersherum.

Der Herzchirurg zum Beispiel, da will ich schon, dass er probiert die Operation mehr als nur fertig zu machen. Oder der Pilot, der mein Flugzeug steuert, mit dem ich in den Urlaub fliege.

Als die NASA zum Mond flog, da gab es auch wahrscheinlich auch kein “Hauptsache fertig”, sondern jeder noch so kleine Mitarbeiter hat probiert seine Sache perfekt zu machen.

Manchmal gibt es aber auch Belohnungen, wenn es perfekt gemacht wurde, sei es bei Preisverleihungen oder im Sport. Wie schon unzählige Athleten gemerkt haben, ist der 2. Platz im Vergleich zum ersten viel weniger wert.

Wenn es um Risiken und Belohnungen geht, ist “Perfekt” häufig die beste Option.

Mit einem Monokel das Buch perfekt studieren
Plane dein Buch

Was sagt mir das für mein Kinderbuch?

Dramatische Worte – lass mich also den Bogen zu unseren Projekten schlagen.

Was ist dein Ziel mit dem Buch – was ist dein Ziel als Autor / Illustrator – was ist deine Vision für deine Karriere?

Ich bin ja in einigen Facebookgruppen unterwegs und sehe, was dort an Kinderbüchern herausgebracht wird. Häufig über Books On Demand. Häufig nebenbei nach Feierabend gestaltet. Und das sieht man den Büchern auch an.

Da wurde nicht perfekt gezeichnet, Grundregeln des Designs, der Farbgebung oder des Spannungsaufbaus werden nicht eingehalten und das Layout sieht manchmal aus, wie eine Website aus den 90ern.

Aber da spricht der Perfektionist in mir. Vielleicht wollen viele Leute nur ein Buch für sich und die Familie veröffentlichen?

Wenn das bei dir auch so ist, mach es fertig. Und nimm dein nächstes Projekt in Angriff.

Oder schreibst Du Buchreihen für eine eng gesteckte Zielgruppe?

Da kann es schon Sinn machen, möglichst viele (einigermaßen) gute Bücher in relativ kurzer Zeit zu veröffentlichen. Das funktioniert für viele Kinderbuchautoren. Enid Blyton fällt mir da ein.

Aber es kann genauso viel Sinn machen, das beste Buch zu schreiben, das du kannst, egal, wie lange du dafür brauchst. Vielleicht veröffentlichst Du dann nur ein Buch alle zwei Jahre und deine Fans warten brav und bleiben dir treu. Das funktioniert ebenso für viele Autoren.

Fazit

Zum Abschluss daher einige Fragen für dich:

  • Bist du eher Perfektionist oder willst du die Dinge lieber fertig und vom Tisch haben?
  • Will deine Zielgruppe viele Bücher in kurzer Zeit? Gerade bei Buchreihen einer Altersgruppe macht das Sinn, da deine Leser ja schnell aus dem Alter herauswachsen, wo sie deine Geschichten lesen wollen.
  • Gibt es besondere Belohnungen für schnelle Arbeit oder viele Bücher.
  • Denk an die Bücher, die du am liebsten magst, fallen sie in die Kategorie schnell und okay oder perfekt.

Es gibt für niemanden die perfekte Strategie, sondern du musst für dich herausfinden, was dir lieber ist.

Aber ebenso gilt, es gibt nicht nur die eine Strategie. Du musst dich gar nicht zwischen “Okay und Hauptsache fertig” oder “Langsam und perfekt” entscheiden, sondern kannst alles mögliche dazwischen machen.

Vielleicht arbeitest Du am Deckblatt und einigen Highlight-Seiten besonders intensiv und lange und machst sie perfekt und im Gegenzug hast du viele schnelle Zeichnungen zwischendurch oder sogar gar keine.

Jedes Projekt ist anders und auch nicht jedes deiner Bücher muss gleich sein. Einige können “okaye” Massenware, andere “exquisite” Einzelstücke sein.

Der britische Schriftsteller John Brunner (1934–1995) („Morgenwelt*“ und „Schafe blicken auf*“) sagte einmal in Bezug auf die Qualität seiner Bücher:

“„Ich backe sozusagen Brötchen und ich backe Torten. Von den Brötchen lebe ich.“

John Brunner

Nur: Entscheide dich was dein Buch sein soll, bevor du dich an die Arbeit machst.

Und dann bleibe bei deiner Entscheidung.

Viel Spaß beim Geschichten erzählen!

Dein Niels

Titelfoto: Photo by Philip Swinburn on Unsplash

Beitragsbild: Photo by bruce mars from Pexels

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